Pflegebranche unter Druck und keiner löst den Knoten

Der Ende des Dezember 2013 stand ganz im Zeichen des Streiks des Pflegepersonals bei dem Barmer Helios Klinikum. Denn die Burnout-Quote im Bereich der Pflege ist dramatisch hoch und verdi hat das Ganze jetzt noch mehr in den Vordergrund gerückt. Hier der Artikel und hier eine Webseite dazu.

Aber die Lösung ist sehr einfach möglich, denn die psychische Gefährdungsbeurteilung, die auch jeder Arbeitgeber im Bereich der Pflege durchführen muss, ist ein scharfes Schwert, denn seit dem 1.1.2014 ist in dem Arbeitsschutzgesetz aus schriftlich fixiert: Die psychische Gefährdung ist ebenfalls unbedingt zu untersuchen und zu bekämpfen!

Wir meinen: Nicht klagen, sondern handeln. Mit dem Arbeitgeber an einen Tisch sitzen und die psychische Gefährdungsbeurteilung anstoßen – dann löst sich der Knoten immer mehr auf.

2014: Liebe Medien, lasst den Menschen ihr Recht auf einen Burnout!

So oft lesen wir in den letzten Tagen, dass Menschen kritisiert werden, weil sie sich ausgebrannt fühlen, weil sie erschöpft sind und weil sie das Ganze als einen “Burnout” titulieren.

Aber es gibt auch eine andere Kehrseite der Medaille. Denn für viele ist der Begriff “Burnout” tatsächlich Ausdruck für eine Lebenssituation geworden, die so nicht mehr weiter gehen kann. Das damit nicht das “Burnout-Syndrom” (nach ICD 11: Z73) gemeint ist, dürfte jedem klar sein. Es ist eine Hilflosigkeit, die sich – rein psychosomatisch gesehen – schon in Frust und erste Depressionen ausdrückt.

Doch letztendlich leben wir in einer Leistungsgesellschaft und können die dort verlangte Leistung nicht abschaffen. Aber wir können lernen, mit den Anforderungen an uns richtig um zu gehen. Hierzu ein interessanter Artikel: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Mehr-Engagement-im-Jahr-2014-2071696.html

Wir bitten daher allen Medien: Lassen Sie den Menschen im Jahr 2014 den Begriff Burnout, vergessen Sie die Ausssage einer “Modediagnose”, die die Menschen nur beleidigt und verunglimpft. Berichten Sie über den Leistungsdruck, über die Aspekte einer Erschöpfung und zeigen Sie Verständnis für Menschen, die in deren aktuellen Situation NICHT weiterwissen. Und denken Sie daran:  Auch Sie als Journalist könnte es einmal treffen!

Wir wünschen allen Lesern ein gesundes 2014. Bitte, bleiben Sie gesund!

Neue deutschlandweite Studie: Jeder dritte Mann mit Burnout, Depression oder Schlafstörungen

Heute erschien im Spiegel in diesem Arikel von Dennis Ballwieser, Irene Berres, Cinthia Briseño und Heike Le Ker “Gesundheitsstudie DEGS: So krank ist Deutschland” eine aktuelle Analyse (Original-Link hier) des Robert-Koch-Instituts.

Der Grundtenor ist, dass in Deutschland etwa jeder zehnte Erwachsene stark und andauernd gestresst ist, wobei bei den stark belasteten Männern 32 Prozent von sich sagten, mindestens Burnout, Depression oder Schlafstörungen zu haben. 25 Prozent sagten, sie leiden sogar unter zwei von diesen drei Problemen. Nur knapp zwei Prozent litten unter allen drei Problemkreisen.

Bei den Frauen seien knapp vier Prozent von allen drei Problemen betroffen. Das Fazit der Autoren: “Die Ergebnisse belegen eindrücklich einen hohen Zusammenhang zwischen Belastungen durch chronischen Stress und psychischen Beeinträchtigungen durch depressive Symptome, Burnout-Syndrom und Schlafstörungen.”

IMG_2235Petra und ich meinen dazu:

Die Zahlen können nicht stimmen. Denn wir wissen, dass Befragungen in dieser Form immer nur die Spitze des Eisbergs zeigen – hier unser Artikel dazu. Nichtsdestotrotz: Dafür sind die Zahlen erstaunlich hoch und sauber dokumentiert. Was im Jahr 2008, als wir uns zunehmend mit Burnout und Stress beschäftigten, noch ein Novum war, ist heute anerkannter Alltag. Und wir freuen uns, wenn Bewegung in das gesamte System kommt.

Die Studie zeigt: Wir LEBEN nicht in einer stressigen Gesellschaft, wir SIND eine stressige Gesellschaft. Wenn jeder zehnte Mensch sich gestresst fühlt, wenn jeder zehnte Mensch Handlungsunsicherheit, Angst oder Lebens-Unsicherheit empfindet, dann ist das mehr als schlecht. Es zeigt, dass neue Rezepte gefunden werden müssen, neue Antworten. Und die gibt es. Nur sind sie leider oft nicht bekannt – und vor allem: Sie kosten nichts – außer der eigenen Bereitschaft zu lernen und das vermittelte Wissen einmalig zu bezahlen. In einer Marktwirtschaft ist das aber leider oft ohne Lobby.

Schade eigentlich. Der Stress wird weitergehen.

Burnout-Jahreskongress 2013

Für alle, die sich professionell mit dem Thema Stress, Erschöpfung, Anpassungsstörung und Burnout beschäftigen, gibt es dieses Jahr wieder den Jahreskongress der Burnout-Lotsen. Er findet am 22./23. Juni in Heilbronn statt und hat folgende Themen:

  • Vortrag: „Stress und freie Radikale: Was passiert in meinen Zellen?“
  • Vortrag: „Bogenschießen in der Burnout-Therapie“
  • Vortrag: „Reiten in der Burnout-Therapie“
  • Training: „Lachtherapeutische Übungen für sich selbst“
  • Seminar: „So schreibe ich mein Buch selbst“
  • Freiwillige  Medizinprodukteschulung für den Urintest „Stressmonitor“ (zzgl. Prüfungsgebühr vor Ort 25 EUR, in bar zu entrichten)
  • Training: „Das neue Gutachten – Die Online-Erfassung“
  • Freiwilliges Seminar: „Ausbildung zum Burnout-Sensor“ (zzgl. Prüfungsgebühr vor Ort 25 EUR, in bar zu entrichten)
  • Training „Die Möglichkeiten von www.burnout-lotsen.de“ richtig nutzen
  • Forum: Vorstellung von neuen Buchtiteln zum Thema Burnout

ringhotelTeilnahmekosten: 150 EUR zzgl. 35 EUR Tagungspauschale (inkl. Abendessen und einem Mittagessen sonntags) und zzgl. eventueller Prüfungsgebühren. Alle Preise inkl. MwSt.  Der Jahreskongress der Burnout-Lotsen findet im Ringhotel Heilbronn statt, für die Teilnehmer gelten Sonderpreise für die Übernachtung: ÜF/DZ für 40 EUR, ÜF/EZ für 45 EUR.
Anmeldungen bitte an verwaltung@burnout-helpcenter.de

Zu Besuch: Intuitives Bogenschießen

“Weises Handel gleicht dem Bogenschießen: Denn der Bogenschütze versichert sich seines korrekten Standes, bevor er seinen Pfeil abschießt. Verfehlt er sein Ziel, nimmt er es nicht dem Pfeil übel. Er sucht ganz einfach den Grund in sich selbst.” (aus dem Zen)

Andreas SchneiderPetra und ich haben heute den Bogentherapeuten Andreas Schneider auf Schloss Langenburg besucht. Seine Firma “bow-life” bietet Workshops und Kurse zum Thema intuitivem Bogenschießen an. Für uns als Burnout-Experten ist das natürlich hochspannend – und wir wollten der Frage nachgehen, ob eine Burnout-Therapie durch intuitives Bogenschießen unterstützt oder ergänzt werden kann.

Wir haben uns mit Andreas Schneider unterhalten und gefragt: Was ist das Besondere? Seine Antworten…

  • Die Fähigkeit, sich auf das Ziel zu konzentrieren, wird trainiert. Aber nicht nur auf das Ziel, sondern auch auf den Weg zum Ziel. Denn wenn man beim Bogenschießen den Weg Richtung Ziel nicht richtig „kalkuliert“, wird der Pfeil die Zielscheibe nicht erreichen bzw. treffen.
  • Die innere Ruhe wird eingeübt. Denn innere Ruhe ist die Voraussetzung, um sich auf das Ziel zu konzentrieren.
  • Das Körperbewusstsein wird gefördert, denn beim Bogenschießen ist die Körperhaltung wichtig. Die Kombination von Spannung und darauf folgender Entspannung ist dabei entscheidend.
  • Das Selbstbewusstsein wird aufgebaut. Denn das Gefühl eines von Erfolg gekrönten intuitiven Ablaufs steigert die Akzeptanz für sich selbst.
  • Die Philosophie im eigenen Tun entdecken: „sich auf den Weg konzentrieren, um das Ziel zu erreichen“.

Einweisung von PetraNatürlich wollten wir das Ganze in echt ausprobieren und nachdem sich jeder seinen Bogen selbst ausgewählt hatte fand eine Einweisung statt.

Petra beim ZielenDie Zieltechnik spielt bei intuitivem Bogenschießen natürlich keine Rolle. In Sachen Gehirnhälften-Synchronisation und der passenden Atemtechnig bei Meditationen sind wir geübt und wir waren dennoch sehr gespannt, was passieren würde.

Die TrefferInteressant war nun für uns, dass die Pfeile trotz dieser nicht-ziel-orienterten Vorgehensweise durchaus ihr Ziel fanden!

Petra freut sichUnd das ganze hat auch noch tierisch Spaß gemacht!

Im anschliessenden Meeting arbeiteten wir dann aus, ob und wie sich unser Burnout-Helpcamp mit dem therapeutischen Bogenschießen kombinieren und ergänzen läßt. Und wir sind uns sicher: Ja, es funktioniniert! Noch in diesem Sommer werden wir einen ersten Test beginnen.

Psychosomatik – der unterschätzte Alarm

In dem Spiegel-Artikel “Psychischer Druck: Stress im Kopf, Schmerz im Bauch” von Susanne Schäfer wird endlich einmal das Thema Psychosomatik aufgegriffen – und als Physoptherapeuthin bin ich an diesem Bereich natürlich sehr interessiert.

Doch der Artikel greift mir leider viel zu kurz und ist zudem auch nicht komplett. So wird zum Beispiel der “Muskeltonus” als Hauptargument für Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen nicht erwähnt. Und auch nicht, dass Bauchschmerzen ebenfalls durch Verkrampfungen (eben in Folge des Muskeltonus und des angrenznden Zwerchfells) entstehen können!

Wir wissen heute, dass die Psychosomatik (also eine durch die Psyche ausgelöste Krankheit) für Menschen im Dauerstress das Haupt-Argument ist, überhaupt um Hilfe suchen. Denn nicht der Kopf  beurteilt die Sachlage und handelt, sondern schlicht und einfach der körperliche Schmerz. An dieser Stelle sei daher auf das Buch von Prof. Bauer “Das Gedächtnis des Körpers” (ISBN 9783492301855) erinnert – es ist absolut empfehlenswert.

Auch Pfarrer können ausbrennen…

Im Wiesbadener Tagblatt berichtet Mathias Gubo in seinem Artikel “Taunussteiner Dekan Klaus Schmid warnt vor der Überlastung der Pfarrer” von der problematischen Situation der Pfarrer in der evangelischen Kirche. Besonders interessant sind dabei die Befragungsergebnisse.

Das Ergebnis wundert nicht: Denn die dort erwähnte “Erschöpfungsdepression” ist ein Zeichen dafür, dass Menschen keinen Ausgleich mehr schaffen zwischen dem “Job” in der Kirche und den Anforerungen im privaten Umfeld. Zusätzlich gibt es aber auch Erfahrungswerte dafür, dass eine Erschöpfungsdepression zunimmt, wenn Ziele und Visionen abnehmen. Und überlegen Sie selbst: Welche Ziele und Visionen hat die Kirche und der Glaube in den letzten Jahren vermittelt? Erinnern Sie sich an die Skandale? An die Vorwürfe?

Es ist jedem klar: Wir leben in einer Gesellschaft, die zunehmend weniger Sicherheit und Halt bietet. Und wenn ich Angst habe, also Sicherheit suche, verschiebe ich meine Prioritäten in meinen Handlungen so, dass meine eigene Persönlichkeit nicht mehr im Fordergrund steht.

Die neue Hamburger “Anti-Stress-Verordnung” greift zu kurz!

In der “Welt” finden wir von Jana Werner einen Artikel zu der neuen Hamburger “Anti-Stress-Verordnung”. Der Senat von Hamburg versucht damit, Unternehmen Rahmenbedingungen und Vorgehensweisen zu empfehlen, damit das Burnout-Risiko von Mitarbeitern deutlich sinkt.

Wir erleben in diesen Zeiten von politischem Wahlkampf, dass mit dem Thema Burnout zu punkten versucht wird und zu polarisieren. Burnout ist eben NICHT nur ein Thema des Arbeitsplatzes, eines Partnerschaftkonflikts oder einer Mobbing-Situation. Und was dabei ganz fehlt: Könnte es nicht auch eine Anpassungsstörung sein?

Wir müssen aufhören, Burnout als einmalige Reaktion auf Stress- und Belastungssituationen zu sehen. Burnout und Erschöpfung sind die Antworten auf gesellschaftliche Entwicklungen und führen dazu, dass Menschen keine Rezepte mehr auf die Lösung von Problemen haben. Daher setzen sie sich falsche Prioritäten und verlieren als Folge davon die eigene Achtsamkeit.

Gestern hat der Große den Kleinen verdrängt.
Heute der Schnelle den Langsamen.
Morgen der Achtsame den Ausgebrannten.

Warum Krankschreibungen keine Mess-Instrumente sind

Sehr oft beobachten wir, dass Ärzte und Krankenkassen die Themen Burnout, Erschöpfung und Depression mit dem Mess-Instrument “Krankschreibung” auswerten. So auch ein Artikel in der Ärzte-Zeitung. Dort berichtet Robert Büssow: “Im vergangenen Jahr haben die Ärzte in Thüringen nur bei etwa jedem 880. Mann und jeder 360. Frau einen Burn-out auf der Krankschreibung notiert.”

Unterhält man sich mit Betroffenen, weiss man, dass diese Auswertungen defacto so nicht funktionieren können. Denn zahlreiche erschöpfte und ausgebrannte Menschen fürchten zu Recht, dass der Eintrag in der Krankenakte zahlreiche negative Folgen mit sich bringen kann:

  • Wird mir die Krankenkasse früher oder später kündigen, weil ich so viele Kosten erzeuge?
  • Wird mir die Lebensversicherung kündigen?
  • Wird mir die Berufs-Unfallversicherung kündigen?
  • Wird mir der Arbeitgeber kündigen?

In unseren Burnout-Helpcentern machen wir regelmäßig die Erfahrung, dass immer öfter zumindest eine der gestellten Fragen mit “Ja” beantwortet werden. Das wissen auch die Betroffenen und in den Führungsetagen spricht sich dies ebenfalls schnell herum. Als Folge steht die Frage: Sollte ich mich des wahren Grundes wegen krankschreiben lassen?

Und auf etwas anderes wollen wir ebenfalls hinweisen: Wieviele Betroffene erkennen die eigene Situation und gehen überhautp zum Arzt? Wieviele davon versuchen, mit dubiosen esoterischen Wegen aus der Erschöpfung selbst heraus zu kommen?

Es wird höchste Zeit, dass die Presse auch einmal über diesen Sachverhalt berichtet.

“Wenn Du über das Problem nachdenkst,
wird das Problem größer.
Wenn Du über seine Lösung nachdenkst,
wird diese Lösung größer.”

Wieder in die Burnout-Analysefalle getappt…

Beinahe jeden Tag lesen Petra und ich irgendwelche Berichte in den Medien darüber, wie eine Erschöpfung oder ein Burnout festgestellt werden können. Doch die Antworten sind leider stereotyp – und meistens schlicht falsch. So auch jetzt wieder in diesem Artikel der Züricher Zeitung.

Denn dort behauptet wieder einmal eine Forscherin, man müsste einfach einmal die Betroffenen wegen Ihren Beschwerden fragen. Doch Profis wissen: Fragen zu mentalen Betrachtungsweisen haben das Problem “Wir schätzen, wofür wir uns entschieden haben” (siehe auch bei Telepolis: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33398/1.html).

DENN: Mentale Fragestellungen können nur durch die richtige Vorgehensweise richtige Antworten geben. Dies funktioniert nicht mit klassischen Befragungen, Online-Fragebögen oder ähnlichem! Nicht ohne Grund wurde über einen langen Zeitraum das Gutachtenkonzept der Burnout-Lotsen entwickelt, das der korrekten Vorgehensweise gerecht wird.

 

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